Sobald ihr den ersten Schritt in eine Paintball-Halle oder auf ein Spielfeld setzt, seid Ihr Bestandteil der Paintball-Welt. Ihr werdet euch daran gewöhnen, dass euch die Paintballs um die Ohren zischen und ihr von Deckung zu Deckung springt. Ihr werdet viel Spaß haben, ganz egal wie ihr spielt. Aber wenn ihr spielt, um zu gewinnen, solltet ihr ein paar grundlegende Tips beachten.
Die eigenen Füße
Wenn das Spiel beginnt, solltet ihr wissen, wie ihr euch auf einem Feld zurechtfindet. Lauft nicht einfach drauf los und versucht wie ein wildgewordener Psychopath alles, was sich bewegt links und rechts mit Farbe zu verzieren. Ich will nicht behaupten, dass so etwas unmöglich wäre, aber damit es euch gelingt, solltet ihr möglichst sehr erfahren sein oder einen mächtigen Sprung in der Schüssel haben. Beurteilt selbst, ob diese Kriterien auf euch zutreffen. Nun aber zum Spiel.
Die Base
Sobald ihr an der Base (also der Stelle, an der sich eure Fahne befindet) angekommen seid, überlegt euch, wohin ihr als erstes laufen wollt, wenn das Spiel beginnt. Sprecht euch mit euren Mitspielern ab, denn es gibt für eure Gegner keinen lustigeren Anblick, als wenn ihr euch alle im Ansturm auf eine Deckung gegenseitig auf die Füße tretet und übereinander kullert. Wenn das Feld nicht zu groß ist, und ihr die gegnerische Base sehen könnt, versucht an der Aufstellung der Gegner zu erkennen, wer in welche Richtung rennen wird. Wer wird in eure Richtung lospreschen? Ist es der rookiefressende Pro, dessen aufgebohrte Turbo-Shocker ihr zuvor noch bewundert habt, oder ist es der Anfänger mit der Pumpgun und der CO2-Kapsel. Je nachdem, was euch erwartet, könnt ihr eure Taktik vorbereiten. (Lautstark brüllend drauf los stürmen oder erstmal in einer Deckung Schutz suchen.)
Das GO!
Es geht los. In dem Moment, in dem alle loshetzen, fliegt auch schon eine Menge Paint in eure Richtung. Das ist allerdings gar nicht so tragisch, denn ein Spieler, der in Bewegung ist, wird selten getroffen. Wenn alle aus der gegnerischen Mannschaft ebenfalls losrennen, könnt ihr euch Zeit lassen und beobachten, wer hinter welcher Deckung verschwindet. Alles was euch in diesen Sekunden treffen könnte, ist ein verirrter Paintball, dessen Schicksal es war, zufällig in eure Richtung zu fliegen. Das ganze sieht natürlich etwas anders aus, wenn aus der anderen Mannschaft ein Spieler mit Red-Dot-Visier auf der Cocker an der Base stehen bleibt, um euer Team ganz genüsslich Schuss für Schuss aus dem Spiel zu picken. In diesem Fall könnte ein Alternativplan helfen: Beine in die Hand, Kopf runter und Unterstützung durch Stoßgebet anfordern.
In der Deckung
Sollte sich das Glück zu euren Gunsten wenden, und ihr unversehrt in eurer Deckung angelangt sein, könnte es sich lohnen, nicht sofort wild drauf loszuballern. Natürlich ist die Versuchung einfach wild drauf los zu rattern stark. Aber nicht umsonst heißt es: "Wenn Du schießt, weiß er wo Du bist. Und er weiß auch, dass Du ihn gesehen hast.? Wenn ihr also in der Deckung hockt, holt kurz Luft und horcht, wohin die Paint fliegt. Wenn ihr genügend Zeit hattet, um zu erkennen, wohin euer Gegner sich verzogen hat, könntet ihr den einen oder anderen Blick in seine Richtung wagen. Möglicherweise seht ihr ihn, bevor er euer Sichtfeld mit Farbe zukleistert. Sollte ihr jedoch schon hören, dass die Rückseite eurer Deckung durch Paintbeschlag erschüttert wird, braucht ihr euch keine Gedanken darum machen, ob er euch gesehen hat. Auch solltet ihr bei den aufblasbaren Hindernissen einer Speedball-Halle nicht direkt an der Deckung hocken und sie anrempeln. Wenn auf dem Spielfeld eine Deckung plötzlich anfängt zu wackeln, könnte euer Gegner zwar auch vermuten, dass ein Schwarm nach Süden fliegender Spatzen dagegengeprallt ist, aber auch diese Wahrscheinlichkeit ist nicht sehr groß. Und was jetzt? Ihr sitzt dort in der Deckung, und müsst entscheiden, wie ihr gegen euren Gegner vorgehen werdet. Denkt daran, dass ihr nicht zweimal an der selben Stelle aus der Deckung lugt. Sonst habt ihr im Handumdrehen eine farbige Verzierung mitten auf der Maske. Die Alternativen, die sich jetzt für einen Anfänger ergeben, sind nicht zahlreich. Ihr könntet versuchen, euren Gegner in Schach zu halten, ihr könntet eure Deckung wechseln, um einen besseren Winkel zu ergattern, oder ihr könntet ihn stürmen. Aber wie macht man das?
Die Deckung wechseln
Der Weg von einer Deckung in die andere ist beschwerlich. Ihr müsst euch auf die Füße rappeln, die Zerrung in den Oberschenkeln ignorieren, euch in Bewegung setzen und LAUFEN! Und damit nicht genug, ihr müsst auch noch darauf achten, dass ihr keinen Paintball in die Rippen bekommt. Kein Wunder, dass dies als Extremsport bezeichnet wird. Um sicherzustellen, dass ihr nicht getroffen werdet, müsst ihr euren Gegner beschäftigen. Das funktioniert, indem ihr während des Laufens eine Menge Paintballs in seine Richtung feuert, so dass er sich schon aus Furcht vor einem Querschläger hinter seiner Deckung verkriecht. Das hat natürlich den Nachteil, dass der Gegner sofort weiß, wohin ihr euch bewegt. Eine besser Methode ist es, den Gegner zunächst durch ein paar Salven von der einen Seite der Deckung heraus zu beschäftigen, und sich dann flugs und still auf der anderen Seite der Deckung aus dem Staub zu machen. Mit Hobbyspielern und Anfängern funktioniert dieser Trick. Die Profis fallen nicht mehr darauf rein. :-( Aber wenn der Trick funktioniert, habt ihr einen immensen Vorteil. Euer Gegner denkt für ein paar Augenblicke, ihr wäret immer noch in eurer alten Deckung. Diese Sekunden könnt ihr nutzen, um unerkannt in seine Richtung zu schleichen und ihm ein paar Kugeln auf den Leib zu drücken. Ihr könnt natürlich auch warten, bis er sich wundert, warum aus eurer alten Deckung keine Schüsse mehr kommen. Dann sieht er sich um und sucht euch und verpasst euch einen Fleck.
Den Gegner in Schach halten
Eigentlich ganz einfach könnte man meinen. Man ballert nur solange in seine Richtung, bis ein Teamgefährte dem Jungen einen Fleck verpasst. Funktioniert leider nicht sehr häufig, weil der andere irgendwann auch auf den Gedanken kommt, seine Deckung zu wechseln.
Stürmen
Wenn gar nichts anderes mehr hilft, bleibt nur noch der Sturm aufs Buffet. Mit einer Salve den Gegner in die Deckung zwingen, auf die Beine und rüber zu ihm. Es besteht natürlich die Möglichkeit, dass der Gegner in diesem Moment früher, besser und genauer schießt als ihr, aber ein Sturm ist immer noch besser als darauf zu warten, dass den anderen ein plötzlicher Paintballschauer aus heiterem Himmel markiert.
In Bewegung bleiben
Zuweilen kommt es vor, dass ihr als letzter Spieler eures Teams auf dem Feld seid. In solchen Situationen solltet ihr versuchen, ständig in Bewegung zu bleiben, bis ihr euren Gegner gefunden habt. Und auch danach bleibt besser nicht lange hinter einer Deckung sitzen. Solange keine Schüsse zu hören sind, hat er euch nicht gesehen.
Das Schießen
Schießen könnt ihr mit einem Paintball-Markierer, wenn ihr es richtig anstellt, überraschend genau. Ihr solltet keine Probleme haben, nach ein paar Probeschüsssen die Flagge aus gut 25 Meter Entfernung gezielt zu treffen. Unglücklicherweise ähnelt das Schießen im Stand auf ein unbewegliches Ziel, das nicht zurückschießt der tatsächlichen Situation im Spiel etwa so sehr wie der Urlaubsstau auf der Autobahn dem Verkehr auf dem Nürburgring gleicht. Im Spiel gelten andere Umstände. Ihr zielt aus einer anderen Position, euer Ziel bewegt sich, und euer Adrenalinspiegel ist um das Doppelte angestiegen. Euch bleiben nur kurze Augenblicke Zeit um anzulegen, denn denn euer Gegner schießt zurück. Warum also noch zielen? Wäre es nicht besser einfach möglichst viele Schüsse in Richtung des Gegners abzugeben, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass ihn ein Zufallstreffer markiert? Leider wird solch ein Schussschauer nur zu häufig durch einen gezielten Schuss eures Gegners unterbrochen, der euch aus dem Spiel schießt. Was ist also wichtig, um auch während des Spiels genau schießen zu können?
Beide Hände
Auch wenn es nicht immer funktioniert: versucht euch daran zu erinnern, den Markierer immer mit beiden Händen zu halten und ihn fest gegen die Schulter zu drücken. Auch wenn er nicht so stark ist, wie bei einem 9mm Geschoß, der Rückstoß eines Markierers drückt den Lauf nach oben und verzerrt das Schußbild. Je fester ihr den Markierer haltet, desto genauer könnt ihr schießen. Wilde Schussorgien mit einer Hand nützen so gut wie nichts.
Augen auf
Versucht zu erkennen, wohin eure Schüsse fliegen, um korrigierend nachzusteuern. Das ist natürlich nur sinnvoll, wenn ihr den Markierer wirklich fest im Griff habt. Wenn ihr bereits ein paar Stunden im Spiel seid, kommt es immer wieder vor, dass ein Markierer einfriert und bei jedem Schuss eine kleine Nebelwolke freisetzt, die das Sichtfeld verschleiert. Nicht genug, dass ihr nicht trefft. Dann seht ihr noch nicht einmal, was ihr nicht trefft.
Ruhig bleiben
Einem Profi geht das Spiel so sehr ins Blut über, dass er sich nicht mehr damit befassen muss, aber als Anfänger solltet ihr es euch in jeder Spielsekunde wieder ins Gedächtnis rufen: "Ruhig bleiben!" Wer aufgeregt mit dem Markierer herumfuchtelt, trifft nichts. So einfach ist das. Lieber zweimal zielen und nicht schießen als eine unnötige Salve zu verballern. Wer meint, er müsse mehr Paint verschießen, um den örtlichen Veranstalter zu fördern kann dafür ja einmal mehr mit offenem Hopper spielen.
Das Team
Paintball ist eine Teamsportart. Es ist fast unmöglich als Einzelspieler gegen eine Mannschaft mit 5 Leuten fertig zu werden, die zudem noch ihr Vorgehen koordinieren. Dafür muss man schon SEHR schnell sein und SEHR genau schießen können. Ich will nicht sagen, dass es nicht möglich ist, sich als profivernichtender Psychopath durch das Spielfeld zu schießen. Es ist einfach nur SEHR schwer. Wer als Team spielt, spielt erfolgreicher. Jedes Team spricht sich in der Base ab, wer wohin läuft. Schön und gut. Aber ist das alles? Nein. Mit dieser Absprache sollte auch verbunden sein, wer wem Deckung gibt. Auch das ist einfach. Derjenige, der am weitesten vorläuft, gibt dem Hintermann Deckung, damit der sich weiter vorarbeiten kann. Das ist insbesondere wichtig, wenn man selber in einer Deckung sitzt, aus der man ohne weiteres nicht mehr raus kann.
